José Ortega y Gasset wurde 1883 in Madrid geboren und schloss sein Philosophiestudium 1904 mit einer Promotion ab. Er ging nach Deutschland und trieb in Berlin und Leipzig Studien zu Hegel, Nietzsche und vor allem Dilthey. Ortega war in erster Linie Kulturphilosoph und Kulturkritiker und schrieb ähnlich wie Simmel auch feuilletonistisch. 1911 erhielt er einen Lehrstuhl, den er bis zum Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges 1936 innehatte. Sein bekanntestes Werk ist der Aufstand der Massen (org.: La rebelión de las masas, 1929). Während dieses und des Zweiten Weltkrieges ging er ins Ausland und lehrte an verschiedenen südamerikanischen Universitäten. 1948 kehrte er nach Madrid zurück und starb 1955 auch dort.

 

„Masse“ und „Elite“ entsprechen nicht der „Einteilung nach sozialen, sondern nach menschlichen Kategorien“, sagt Ortega in Der Aufstand der Massen. Die Verwandlung des Fortschrittsoptimismus aus bürgerlichem Maßhalten (19. Jahrhundert)in die wissenschaftlich-technisch geprägten Wachstumsgesellschaften und ihre Konsumideale (20. Jahrhundert)[1] ist Ortegas Anliegen.

Für die Lebensphilosophie ist auch sein Buch Was ist Philosophie? (1929) von Bedeutung. Ortega schwebt eine Philosophie des Lebens vor. Zunächst gilt es denn auch, zu bestimmen, was „Leben“ überhaupt bedeutet („mein Leben“, „unser Leben“ „das Leben jedes einzelnen“[2]).

In der kurzen Schrift Um einen inneren Goethe bittend (1932) fordert Ortega, nicht ein Buch über Goethe zu schreiben, sondern sich in ihn hineinzuversetzen, wodurch der Titel dieser zustande gekommen ist. Das Leben, so Ortega, sei die „Einheit von dramatischer Dynamik zwischen beiden Elementen, Ich und Welt“[3].

 



[1] Vgl. Große, Jürgen: Lebensphilosophie. Stuttgart 2010. S. 112.

[2] Ortega y Gasset, José: Gesammelte Werke Bd. V. Stuttgart 1978. S. 473.

[3] Ebd. Bd. III. S. 274.

 

Bild: http://acms.es/wp-content/uploads/2015/07/Jose-Ortega-y-Gasset.jpg