Georg Simmel, geboren am 01.03.1858 in Berlin, gestorben am 26.09.1918 in Straßburg.

Simmel war seit 1914 Professor in Straßburg und stand dem Neukantianismus nahe. Er entwarf eine dialektische Lebensmetaphysik und pluralistische Ethik. Simmel wird zu den Begründern der formalen Soziologie gerechnet.

Geist als Funktion des Lebens: Bemerkungen zu Georg Simmels Lebensphilosophie

von Melanie Riedel (Bonn)

 

Geist begreift Simmel ... innerhalb seiner Lebensphilosophie als die höchste Äußerung “des Lebens”. Die charakteristischen Strukturen des Geistes werden somit als Weiterführung grundlegender Lebensstrukturen betrachtet. “Leben”, prophezeit Simmel, werde im 20. Jahrhundert zu einem Zentralbegriff des Philosophierens werden so wie “Sein”, Natur” oder “Gott” in anderen Epochen. “Leben” ist für Simmel ein Kampfbegriff und eine Parole, in dessen Zeichen er gegen eine intellektualistisch, oder rationalistisch, “lebensfeindlich” gewordene Zivilisation bzw. gegen in Konvention erstarrte, lebensfremde Bildung zieht. “Das Leben” wird für ihn zu einem alles umgreifenden Zusammenhang; zu etwas, dass immer schon da ist und alles, den Geist, die Kultur und auch das individuelle Bewusstsein umschließt und trägt. Mit “dem Leben” ist einerseits - in Anschluss an seinen Lehrer Dilthey - der Anspruch verbunden “das Gegebene zu analysieren”. Andererseits sieht Simmel “das Leben” als etwas enigmatisches; als etwas, das wir Menschen nicht durchdringen können - vor allem nicht mit rationalen Mitteln. Und so wie “das Leben” “dunkel”, “unfassbar” und “geheimnisvoll” ist, so ist es auch der Geist. 

Quelle: http://www.geist2017.philosophie.uni-muenchen.de/downloads/zusammenfassung_riedel.pdf. Zugriff 21.12.2017.