Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900)

 

Selbstverständlich ist Nietzsche ein Klassiker der Philosophie, andererseits ist er auch derjenige, gegen den stark polemisiert wird. Oft gerade von denen, die ihn nicht lesen, sondern von vorn herein ablehnen, also Vorurteile im schlimmsten Sinne haben.

Warum also eine Beschäftigung mit diesem scheinbaren Problem-Giganten des 19. Jahrhunderts? Der eine Grund ist für mich das Zurückbiegen der Philosophie auf den (ganzen) Menschen, die bereits mit Schopenhauer ansetzt. War doch zuvor der Mensch zerlegt worden (bei Descartes in eine in erster Linie res cogitans, bei Kant in die praktische Vernunft und bei Hegel als Geist).

Ein weiterer Grund ist die Entlarvung vieler menschlicher Schwächen, die vorher so gut wie keine Rolle spielten. Leben wir in Wahrheit oder in der Lüge und warum soll die Lüge keine Wahrheit sein und umgekehrt? Es scheinen die Triebe zu sein, die uns immer wieder Streiche bei unserem "Menschsein" spielen und das ist auch gut so, denn sie sind da, ob wir wollen oder nicht. Man muss mit ihnen haushalten. Und der "Wille zur Macht?" Gute Frage, denn dafür ist Nietzsche fast am meisten beschimpft worden. Allerdings bedeutet die "Formel" soviel wie, den Mut auch zum Nein sagen zu haben. Schließlich zeigt sich darin auch die Redlichkeit des Philosophen: in-frage-stellen des Gewohnten, des bis hierhin nicht Kritisierten. Beklopfen und Befragen von allem, was um uns ist. Philosophieren mit dem Hammer und unter Umständen das zu stürzen, was sowieso schon im Fallen begriffen ist. Gibt es also nichts woran man sich halten kann? Doch, in dem man sich auf sich selbst verlässt, auch wenn es ein Traum sein sollte, den wir weiter träumen müssen, um nicht (aus der Welt) herauszustürzen. Nietzsche zeigt auf subtile Weise wie zerbrechlich Erkenntnis, Überzeugungen, Wahrheit und Vernunft sind.

 

 

 

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